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Berufspraktikum in Nordirland 2017

 

Ein Erfahrungsbericht von Justin Sante

Nachdem ich in der Berufsschule von der Möglichkeit eines Berufspraktikum in Nordirland erfahren habe, war ich sofort von der Idee begeistert.
Nach kurzer Rücksprache mit meinem Ausbilder, war schnell ein geeigneter Termin gefunden und ich meldete mich kurz darauf für die Teilnahme an. Hierfür bedurfte es einer Bewerbung und eines Lebenslaufs, auf Englisch versteht sich! Da ich jedoch bereits einige Zeit im englischsprachigen Ausland verbracht habe, stellte dies für mich kein Größeres Problem dar.

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So kam es, dass ich im Herbst 2016 die Zusage des Verbands für Garten- Landschafts- und Sportplatzbaus erhielt. Anschließend folgte ein erstes Kennenlern-Treffen mit allen Beteiligten. Hier machte ich Bekanntschaft mit den drei anderen Auszubildenden aus Niedersachsen, mit denen ich die drei Wochen in Nordirland verbringen würde.

Nachdem der ganze Papierkram erledigt war und sich das Jahr dem Ende neigte, stieg auch bei mir die Spannung. An einem Samstagmorgen im Januar trafen wir uns also zu dritt, ein Azubi ist leider abgesprungen, am Hamburger Flughafen. Von hier aus machten wir uns, bei Schnee und Eis, auf den Weg nach Belfast. Nach zweistündigem Flug erreichten wir den Flughafen von Dublin.
Hier wurden wir von unserer Ansprechpartnerin, Kirsten, eigentlich Vogtländerin, jedoch schon mehrere Jahre in Nordirland wohnhaft, empfangen. Nach weiteren zwei Stunden Autofahrt erreichten wir endlich unsere neue Wahlheimat.

Wir bezogen unsere Zimmer und machten Bekanntschaft mit weiteren Auszubilden aus Leipzig. Nachdem wir alle am Sonntag ausgeschlafen hatten und die ersten Eindrücke von Belfast sammelten, wurde es ab Montag ernst für.
Mit dem Bus erreichten wir den Garten Mount Stewart, dieser liegt etwa eine halbe Autostunde südlich von Belfast. Auf einer Fläche 320 Hektar finden sich hier, ein Gebäude der englischen Königsfamilie, formelle Gartenanlagen, ein Park sowie ein künstlicher Teich. Das ganze wird unterhalten von der Stiftung des National Trust, die in ganz Groß-Britannien Parks, Schlösser und Burgen besitzen und pflegt.

Während das Haus bereits im 18. Jahrhundert entstand, kamen die Gärten und weite Teile des angrenzenden Parks erst im 19. Jahrhundert dazu. Durch sorgsame Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen sind weite Teile der Anlage noch in ihrem Originalzustand.

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Darüber hinaus finden sich auf dem ganzen Gelände eine Vielzahl exotischer und nicht heimischer Pflanzen, welche über die Jahre hier angesiedelt wurden. Besonders beeindruckend zum Beispiel die großen Eukalyptus Bäume (Eucalyptus scoparia) im italienischen Garten oder die enorme Vielfalt an Rhododendron-Sorten, welche teilweise nur hier in Europa zu finden sind.

Nach einem ersten Rundgang und einem Kennenlernen mit den neuen Kollegen, ging es auch schon an die Arbeit. So war geplant, eine Holzbrücke über einen kleinen Bachlauf im hinteren Teil des Parks zu bauen. Hierzu wurde eine handvoll Bäume gefällt, und die Stämme passgerecht zugesägt. In den nächsten drei Tagen entstand, mithilfe mehrer Angestellter und freiwilliger Helfer, eine sehr stabile und zugleich optisch-ansprechende Brücke. Und auch wenn die Arbeitsmethoden (beispielsweise das Messsystem in Zoll) etwas Andere seien mögen, war es doch eine sehr interessante Erfahrung.

An den restlichen Tagen arbeiteten wir an diversen Stellen in den Gärten und jäteten Unkraut, schnitten Sträucher und Hecken zurück sowie verpflanzten einige Rhododendrons im Himalaya-Teil des Parks.

Nach der Hälfte der Zeit tauschten wir noch einmal die Parks mit den anderen Auszubildenden aus NRW, sodass wir auch die Möglichkeit bekamen, den Rowallene-Garden im Nordwesten Belfasts zu sehen.
Dieser ist wesentlich kleiner und unterscheidet sich auch so von seinem Charakter von Mount Stewart. Die gesamte Anlage ist natürlicher und auch unterschiedlich von ihrer Vegetation.
Auch hier gibt es eine alte, kleine Burg sowie diverse Häuser. Besonders zu erwähnen ist hier die kleine Töpferei, welche von Mathew, einem charismatischem Iren unterhalten wird. Besucher können ihm hier bei der Arbeit zu sehen und auch einzelne Werkstücke kaufen.
Ansonsten unterstützen wir die hier arbeitenden Gärtner natürlich bei ihrer täglichen Arbeit, und hielten die Beetflächen von Unkraut frei, schnitten Sträucher zurück, befreiten eine Natursteinmauer von Efeu und halfen dabei, einen Zaun zu bauen.

Alles in allem lässt sich sagen, dass die Arbeit hier weitaus gelassener als in Deutschland genommen wird. Dies mag mit dem Umstand zusammen hängen, dass beide Parks durch eine teils staatlich-geförderte Institution (National Trust) gefördert werden oder, und das glaube ich eher, mit der Mentalität und dem Lebensgefühl der Iren.

Ich für meinen Teil, habe die drei Wochen sehr genossen und möchte diese Erfahrung auch nicht missen. Das Praktikum hat mir tolle Einblicke in die Arbeitsmethoden und Denkweisen in einem anderen Land gegeben und hat mich in meiner Berufswahl nur gestärkt!

Natürlich möchte ich mich dafür auch bei meiner Firma, der VGL sowie der EU, welche das Projekt finanziell unterstützt, bedanken. Auch Kirsten gilt mein Dank, welche sich um den reibungslosen Ablauf vor Ort gekümmert sowie immer ein offenes Ohr bei Fragen oder Problemen für uns hatte. Es hat wirklich Spaß gemacht!

Justin Sante, Feb. 2017